Morgens um sieben ist die Welt noch achtsam

Also es ist jetzt 7:30 Uhr, ein Sonntagmorgen im Hochsommer. Nachdem ich bereits seit 6:30 Uhr mit dem Hund auf den Wiesen und im Wald rund um mein Heimatdorf in der Schweiz unterwegs war, habe ich mir schon meine „Belohnung“ für das frühe Aufstehen am Wochenende gegönnt: Ich frühstückte auf unserem Balkon. Herrlich. Und ja: ich würde jetzt auch mal gerne ein Lob von Dir hören. Sowas wie: Waaaaas – so früh schon am Sonntag“. Das würde mir gerade mal gut tun.


Stilles Gewahrsein des Augenblicks: JETZT und JETZT und JETZT. 
Das ist für mich Achtsamkeit.



Während ich das schreibe, schaue ich nochmals auf den Balkon raus und selbst in der Erinnerung des gerade bewusst in der Stille dieses Sonntag morgen wahrgenommene, werde ich wieder absolut ruhig, bin absolut  bei mir.

Im Englischen gibt es das Wort awareness für Gewahrsein. Es bedeutet, dass wir auf einer tiefen Ebene unseres SEINS ein Wissen in uns tragen, dass uns wieder ein Stück weit zu uns selbst bringen soll.

Ich denke, wir sind nicht immer und tatsächlich ganz bei uns. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich bei mir sein muss, um diesen Artikel zu schreiben. Also meine Hände bewegen sich über die Tastatur und mein Körper sitzt auf dem Stuhl, während mein Gehirn in meinem Körper diese Zeilen schreibt. Darüber bin ich mir auch ganz bewusst.

Aber wo bin ich tatsächlich? Ich verliere mich in meinen Gedanken.

Ich bin bereits in der Zukunft, weil ich mir überlege, wann ich diesen Artikel veröffentliche, ich bin in der Vergangenheit, weil ich mir überlege, ob ich jeden Tag, wenn ich mit dem Hund gehe, gleiches oder ähnliches empfinde wie heute früh. Also tatsächlich bin ich gerade jetzt nicht ganz bei mir, sondern irgendwo. Das finde ich bemerkenswert, darüber immer wieder bewusst zu sein. Ich bin tatsächlich nicht ganz bei mir, obwohl das, genau betrachtet, das Wichtigste wäre. Wichtiger als alles, was ich noch erleben werde oder was ich bereits erlebt habe.

Wir sind ständig am Denken, denken, denken.

Jeden Klienten frage ich, ob er oder sie sich vorstellen kann, eine Meditationspraxis einzuführen. Sehr oft erhalte ich die Antwort: „ich habe das schon probiert, aber es gelingt mir nicht, einfach so ruhig da zu sitzen und nichts zu denken. Es funktioniert einfach nicht“.

Gerade bei Klientinnen und Klienten, die zu mir kommen zum Beispiel wegen sozialer Phobien, wegen undefinierten Ängsten, weil sie keine Kraft mehr haben, die Energie für ihren Alltag nicht mehr da ist, sie schon lange in ärztlicher Behandlung sind, wegen Schmerzen im Rückenbereich, die einfach nicht zuzuordnen sind oder sie nicht mehr gut schlafen können – egal was es ist und was die tiefe Wahrheit hinter diesen Symptomen ist: der Mensch muss wieder lernen, seinen Stress, seine Schmerzen, seine Leiden selbst in die Hand zu nehmen und das, was er für sich tun kann, selbst tun. Das ist wahres Selfempowerment. Selbstermächtigung. Selbststärkung.


Achtsamkeit und die vier edlen Weisheiten Buddhas. Es gibt einen Weg aus dem Leid.

Ich kann nicht achtsam werden, wenn ich keine Meditationspraxis einbeziehe.

So, das sind jetzt einfach mal die Fakten. Das ist einfach so. Ich kann nicht ganz in mir ankommen, wenn ich keine Meditationspraxis einbeziehe. Und trotz unserem hektischen Alltag, durchorganisiertem Familienleben und jeder Menge Überstunden: Es ist wichtiger denn je, nicht nur den Körper selbst mit Gesundheit zu versehen. 

Damit meine ich gesunde Ernährung, ausreichende Menge an Vitalstoffen, reduzierter Verbrauch an Drogen – hier auch Alkohol und Tabak gemeint und den Ausgleichssport zum körperlichen Wohlbefinden. 

Genauso wichtig ist es aus meiner Sicht, regelmäßig etwas für Geist und Seele zu tun. Dazu genügen zwei Meditationseinheiten zu 20 Minuten pro Tag. Eine Einheit am Morgen und eine am Abend. Das ist perfekt.

Was ist Meditation?

Und noch eine Anmerkung sei gestattet: Mit Meditation meine ich nicht, Entspannung mit Musik vor dem Schlafen im Bett liegend. Das ist ganz wunderbar wohltuend, aber keine Meditation. Ich höre selbst auch gerne mal zur Entspannung Phantasiereisen. Und auf dem Youtube Kanal von MEP-Konzept kannst Du einige solcher angeleiteter, mit wunderbar entspannender Musik unterlegten Reisen machen. 

Pure Entspannung. Aber eben keine Meditation. 

Es gibt verschiedene Ansätze in der Meditationspraxis. Eine haben alle gemein: In der Stille sein – ganz bei Dir sein – die Gedanken, die kommen und gehen langsam weggleiten lassen – ganz in Dir selbst ankommen – in Deinem Körper einfach SEIN –  und dann ist Stille – und nichts als Stille…

Stehen bleiben und im Gewöhnlichen das Besondere entdecken – das ist Achtsamkeit.

Gras am Wegrand. Zeit für achtsames Betrachten.

Nochmal zurück zu meinem Sonntagmorgen. Auch das Spazieren in Wald und Flur kann reines Gewahrsein – reine Achtsamkeit sein. Ich für meinen Teil praktiziere das Tag für Tag, denn ich lenke damit meine Aufmerksamkeit auf das Alltägliche und nehme es bewusst wahr.

Ich nehme an, Du würdest mir jetzt sagen wollen, dass Du von früh bis spät arbeitest, viel Verantwortung trägst und keine Zeit dafür hast. 

Dann darf ich jetzt verkünden: auch bei mir gab es Jahre, da wusste ich nicht, wo ich Zeit für mich überhaupt hernehmen sollte. Verschiedene Seiten „rissen und zerrten“ an mir, machten ihre Ansprüche kund.



Nach mehreren solcher Jahre war ich einfach am Boden und konnte nicht mehr.

Das soll ganz sicher kein erhobener Zeigefinger und keine böse Vorahnung von mir sein. Ich will Dir einfach nur aufzeigen, dass Du über viele Jahre, alles aushalten kannst. Dein Körper macht mit, was er kann und solange er kann. Aber irgendwann gibt er Dir zu verstehen, dass jetzt genug ist und Du auf der Stelle eine 180 Grad Drehung machen solltest, sonst kannst Du bald keinem mehr Deine Aufmerksamkeit und Deine Zeit schenken, weil dann nur noch  Deine Krankheit wichtig ist.

Buddha selbst hat einen direkten Weg zur Befreiung aus Sorge, Schmerz und Leid gelehrt. Du siehst hier seine „4 edlen Weisheiten“ oben auf dem Bild.

Jon Kabat-Zinn, der Begründer der MBSR, der Achtsamkeitslehre schlechthin, sagte einmal in einem Interview: Ärzte und Gesundheitssystem können nur begrenzt etwas für Dich tun. Medizin ist keine Automechanik. Du bist kein Auto, dass einfach repariert werden kann. Optimal ist es, wenn Du Dich selbst auf verschiedenen Wegen, um Deine Gesundheit kümmerst, damit Du bis ins hohe Alter Gesundheit und Wohlbefinden erhalten kannst“.   

Über 90% aller Menschen tragen altes Leid, Erinnerungen und schlechte Erfahrungen in ihrem Körper mit sich herum.

Klientinnen und Klienten, die den Weg in meine Praxis finden, sind sehr oft mit solchen Altlasten unterwegs und wundern sich, warum ihnen dies oder jenes immer wieder passiert. Warum alle anderen um sie herum erfolgreich sind, sie aber nicht oder warum immer sie in die „schlechten“ Beziehungen geraten und keine Partnerschaft hält. Gemeinsam finden wir die Ursachen und beheben sie. Gleichzeitig ist meine Erfahrung, dass gerade solche Menschen, nicht in der Stille bei sich sein können.

Visiere heruntergeklappt und die Waffen im Anschlag!

Ganz klarer Fall: Vieles was uns belastet, haben wir gut „gedeckelt“ in unserem „Kellergewölbe“. Warum: Weil wir einfach nicht in unserem Alltag damit herumlaufen können. Würden wir das im Beruf und auch im privaten Umfeld tun, würde uns jeder sofort als Gefühlsdusler, als Weichei und Warmduscher abtun, uns nicht in diese Ellenbogenwelt hineinpassend ansehen und uns mit so unglaublich witzigen Erklärungen wie „die hat sicher ihre Tage“ überschütten. 

Nein, da haben wir lieber unsere dicke Rüstung an – wir haben die Visiere heruntergeklappt – unsere Speere im Anschlag und alte Emotionen, wie Glaubenssätze, altes Leid, schlimme Erfahrungen und Erziehungsmuster im Kellergewölbe gut versteckt.

Aber die Stille lässt alles hervorbrechen.

Wenn Du in die Stille gehst, dann bist Du verletzlich. Dann musst Du Dir gegenüber vieles zugeben, was Du nicht gerne von Dir hörst. 

Dann bist Du nämlich ganz mit Dir alleine – oh weh!




Du musst zugeben, dass Du vor Neid zerfressen bist, weil der Kollege befördert wurde und Du nicht, dass Du diesem oder jenem Mitmenschen mal gerne die Nase brechen würdest oder dass Du der blöden Kuh von nebenan die Pest an den Hals wünschst, weil sie Dich jedesmal herablassend anschaut, mit ihren blonden Haaren und blauen Augen, wenn sie vorbeistöckelt mit perfekten, ewig langen Beinen.

Akzeptiere, dass das auch Du bist!

Mein Gott, ist das denn wirklich so schlimm, dass das auch Anteile von Dir sind, die Du ebenfalls in Dir trägst? Ganz klares Nein. Das ist überhaupt nicht schlimm. Weil diese Anteile jeder in sich trägt. Niemand ist alleine Licht und Liebe. Das funktioniert einfach nicht. Also nimm das an, was da in Deinem Kellergewölbe schlummert. Wenn Du dazu Unterstützung brauchst, bin ich immer und gerne für Dich da. Einzel-Coaching bei Coach Jeannette.

Du wirst sehen, das befreit. Annehmen von dem, was man nicht so gerne sein eigen nennt, befreit. Tatsächlich. Und dann spüre, wie es Dich Stück für Stück befreit –  von allen Verstrickungen und Verwicklungen, von konstruierten Problemen und von Gedanken-Gesprächen, die Dein Körper alle so fühlt, als seien sie wahr, obwohl Du genau weißt, dass diese Unterhaltungen so exakt nie eintreten werden. Endlich hört es auf, dass Du von Emotionen und altem „Zeug“ getriggert wirst, das überhaupt nicht mehr in Dein aktuelles Leben passt. Befreie Dich und zwar für exakt das, was Du wirklich in die Welt zu geben hast, was Deine wirkliche Lebensaufgabe ist …

Und die Qualität der Stille in Dir wird zeitlos – Du bist im gegenwärtigen Moment.

Aber nun höre ich auf mit reden und reden. Weil nämlich jetzt nicht mehr Zeit für Worte über Achtsamkeit ist – sondern Zeit für mich, Achtsamkeit zu leben 🙂

Ich wünsche Dir einen achtsamen Sonntag morgen und ein befreites Leben!
Jeannette

Ja, ich bin eine Leseratte

Darum schickt mir Euren Newsletter mit praktischen Tipps und wertvollen Inhalten.

Kostenlos für dich. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?